Ev.-ref. Kirchengemeinde Heiden
Kirchplatz 8, 32791 Lage +49 5232 66266

Informationen zur Dorfkirche

Kurze Geschichte der Kirche

Ein für den hiesigen Raum einzigartiges Ensemble bietet der Heidener Dorfkern. Die Ortsmitte wird durch die Kirche und ihre "Nebengebäude" geprägt. Die meisten Besucher der Dorfkirche Heiden sind vom Umfang sowie der Ausstattung des Gotteshauses und seiner Umgebung sofort eingenommen. Nach wie vor ungeklärt ist, wie es zur Errichtung einer derart aufwendigen Kirche in einem vielen anderen lippischen Orten vergleichbaren Dorf kommen konnte. Die Ursprünge der Kirche reichen in die Zeit um die erste Jahrtausendwende zurück, als an dieser Stelle unter dem Doppelpatronat St. Peter und Paul ein vorromanischer Saalbau entstand. Der Turm wurde im ausgehenden 11. Jahrhundert oder in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet und ist der älteste erhaltene Teil des Gebäudes. In mehreren Bauperioden erfolgte dann bis zum Ende des 14. Jahrhunderts der Ausbau zur dreischiffigen gotischen Hallenkirche. Bei Innenrenovierungen in den 50er und 70er Jahren der 20. Jahrhunderts sind Fresken aus der Entstehungszeit der Kirche gefunden worden. Sie waren während der Reformation am Übergang zum reformierten Bekenntnis in Heiden übermalt worden. Hervorzuheben ist vor allem der Apostelzyklus, der den Chorraum prägt.

 

Der gedrehte Turmhelm stammt von 1594, musste infolge eines Brandes allerdings 1663 wiederaufgebaut werden. Im Innern sieht man deutlich die bewusste Konstruktion der Drehung. Der Glockenstuhl ist der älteste bekannte Glockenstuhl in Westfalen und Lippe (um 1395). Die drei Glocken bilden eines der wenigen vollständig erhaltenen vorreformatorischen Geläute. (gegossen um 1250 bis 1466).

In Europa gibt es insgesamt nur 81 gedrehte Kirchtürme, in Deutschland 19, in Lippe davon nur 3 (Alverdissen, Lemgo/St. Nicolai, Heiden). Es existiert sogar ein "Verein gedrehte Kirchtürme Europas" .
Eine Städteliste und etwas zum Hintergrund von gedrehten Turmhelmen finden Sie unter diesem Link.

 

Neu gefunden wurde bei Renovierungsarbeiten 1999 ein unter Putz verborgener Kopf an der Nordöstlichen Ecke der Kirche, sowie ein alter Torbogen beim nördlichen Eingang.

 

Die gesamte Kirchenanlage ist die einzig verbürgte Kirchburg in Lippe.  Sie entstand auf einem Geländevorsprung weit oberhalb des Oetternbachtales und war rundherum von einer hohen Mauer umgeben.  Der Platz um die Kirche war zugleich Friedhof der Gemeinde und blieb es bis 1844. In Krisen- und Notzeiten floh die Bevölkerung in das Innere der Kirche und verteidigte sich vom Turm aus gegen die Angreifer. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde ein marodierender Soldat erschossen.

 

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Die Kirchenglocken

Der Hauptteil des Glockenstuhls im Innern des Turmes ist der Älteste in Westfalen und Lippe (um 1395). Der Obere Teil stammt aus der Zeit um 1530. Bis 1957 wurden die Glocken per Hand geläutet. Seitdem existiert ein elektrisches Läutewerk, das heute mit einer elektronischen Funkuhr verbunden ist.

Reparatur Ende 2003 / Anfang 2004
Nach der notwendig gewordenen Reparatur sind die Glocken jetzt ohne ihre jahrhundertealte Patina zu sehen. Darum erscheinen vor allem die kleine und die mittlere Glocke sehr fleckig (neue Fotos siehe unten). Das ist aber im Prinzip der Urzustand, wie er auch nach dem Guss vor 700 Jahren gewesen sein muss. Die schöne Patina kommt erst im Laufe der Jahrzehnte wieder.
Bei der großen Glocke waren die aufwändigsten Arbeiten notwendig, da die Krone gerichtet werden musste (siehe Bild vorher nachher rechts). Bei den beiden anderen Glocken musste (wie bei der großen auch) vor allem neues Material auf die Schlagringe unten aufgeschweißt werden, sowie die Klöppel und die Aufhängung erneuert werden.

 

 


Die Größte:
Höhe ohne Krone: 1,09 m
Durchmesser: 1,33 m
Gewicht: 1.500 kg
Anschlagton: des 1
Alter: 1466.

Diese Glocke ist die sechstälteste in Lippe. Ihre Inschrift lautet aus dem Lateinischen übersetzt:
"Während ich gezogen werde höret! Die Toten beklage ich, die Lebenden rufe ich, die Blitze breche ich. Petrus und Paulus der Apostel im Jahre des Herrn 1466, drei Feiertage nach Aegidi."

 

 

 

 

 

Die Mittlere:
Höhe ohne Krone: 0,95 m
Durchmesser: 1,21 m
Gewicht: ca. 1.170 kg
Anschlagton: f 1
Alter: 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts

Das Alter dieser Glocke kann nur geschätzt werden. Ihre Inschrift lautet aus dem Lateinischen übersetzt: "Uns geneigt immer, sei Jungfrau Maria". Diese Glocke hat einen besonders warmen und reinen Ton!

 

 

 

 

 

Die Kleinste:

Höhe ohne Krone: 0,68 m
Durchmesser: 0,82 m
Gewicht: ca. 350 kg
Anschlagton: c 2
Alter: um 1300

Auch diese Glocke hat keine Altersangabe. Ihre Inschrift lautet, aus dem Lateinischen übersetzt: "Herrscher des Himmels, erhöre uns, würdige dich uns zu erretten."
Durch diese Glocke erfolgt der Stundenschlag per Schlaghammer.

3 Glocken Die Größte Die Mittlere Die Kleinste
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Die Umgebung

Im 17. Jahrhundert siedelten sich die "Kirchhöfner" an, die ihre Häuser im Halbkreis um die Kirche errichteten, weitgehend auf vormaligem Friedhofsgelände. Es entstanden Fachwerkbauten, die teilweise bis heute erhalten sind. Zu dieser ursprünglichen Bebauung gehören auch die
1) "alte Schule" und das
2) Küsterhaus.
Die enge Verbindung von Kirche und Bildungswesen spiegelt sich in der räumlichen Nähe zueinander wider. Erweitert wurde das Halbrund durch
3) die neue Küsterschule (1877) und die wahrscheinlich 1868 errichtete
4) Kinderbewahranstalt, der Vorläuferin des heutigen Kindergartens der Kirchengemeinde Heiden.
5) Die "l000jährige Linde" diente nachweislich noch 1663 als Gerichtsstätte; die 13 Einzelbäume, aus denen sie zusammengewachsen ist, symbolisieren wahrscheinlich die zur Vogtei gehörenden Bauernschaften. Höhe und Ausmaß des Baumes lassen immerhin auf ein tatsächliches Mindestalter von 600 Jahren schließen.
6) Altes Pfarrhaus (Gemeindezentrum)
Im Osten der Kirche liegt das ehemalige Pfarrhaus, das den Mittelpunkt des Pfarrhofes bildet. Der Wirtschaftshof des Pastors umfasste einen Baumhof und eine Baumschule sowie einen großen Garten, ein Backhaus und eine Scheune. Der steinerne Wohnbereich des Pfarrhauses stammt noch aus dem 16. Jahrhundert; um 1750 wurde er nach Osten erweitert. Einer Torbogeninschrift zufolge wurde der Wirtschaftstrakt 1813 geschaffen. Nachdem 1964 ein neues Pfarrhaus errichtet worden war, verfiel das historische Gebäude. Seit seiner umfassenden Sanierung in den ausgehenden siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts steht es als Gemeindezentrum zur Verfügung.
Den östlichen Abschluss des Pfarrhofes bildet die 1831 erbaute
7) neue Kantorschule.
8) Das Vogteigebäude von 1683 und der
9) "Alter Krug" runden das historische Ensemble ab.
Es verwundert nicht, dass eine Anlage wie die in Heiden Anlass zur Legendenbildung bietet. So besagt die Erzählung vom letzten Heidener Mönch, dieser habe unter der "l000jährigen" Linde auf dem Pfarrhof einen Schatz vergraben. Die steinerne Abbildung eines Mannes an der Südseite des Pfarrhauses wird mit der Sagengestalt des "letzten Mönches" in Verbindung gebracht. Man bezeichnet ihn auch als "Abt von Heiden".
Zu den Gemeindegebäuden gehört als neuere Ergänzung der Gesamtanlage das Jugendheim (Jugendzentrum) und der viergruppige Kindergarten der Kirchengemeinde.
10) Jugendheim
11) Kindergarten
Ausführliche Informationen sowie eine Vielzahl von, zum Teil farbigen, Abbildungen enthält das Buch "Dorfkirche Heiden. Ein Streifzug durch ihre Geschichte" von Burkhard Meier, Lage 1995, das Sie in unserem Gemeindebüro erhalten können: Preis 5,00 Euro.

Text: nach Burkhard Meier.

Altes Pfarrhaus (Gemeindezentrum) Jugendheim Kindergarten
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Das Innere der Kirche

Durch das Turmerdgeschoß betreten Sie das Gotteshaus. Das halbkreisförmige Tonnengewölbe fand 1957 seine jetzige Form; zuvor hatte man den Turm nur von hier aus durch einen schmalen Aufgang besteigen können. Die größte der drei Glocken datiert von 1466 und trägt die Inschrift: "Die Toten beklage ich, die Lebenden rufe ich, die Blitze breche ich."

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Und wenn Sie selber nach Heiden kommen wollen:
In der Regel ist die Kirche täglich von 10-17 Uhr geöffnet.

 

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