Gedanken für den Tag
„Ein Mensch,, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinen Mühen – das ist eine Gabe Gottes....“ (Prediger 3,13)
Liebe Gemeinde,
auf Anhieb klingt dieser Spruch für den September geradezu obszön. Die Nachrichten überschlugen sich in diesen Sommerferien. Sie berichteten von Flutkatastrophen, Erdrutschen, Hungersnot und den Ausmaßen der Ölpest. Aber hier wird ein Mensch gepriesen, der es sich gut gehen lässt.
Darf er das?
Durften wir das in den Ferien - einfach mal sorglos in den Tag hinein leben, Essen und Trinken genießen, aber womöglich auch noch Sonne, Sand und Meer?
Ja doch - das durften wir, denn der Prediger Salomo ordnet seinen Vers ein in sein langes Nachdenken über die Zeit: Alles hat seine Zeit; lachen hat seine Zeit und weinen hat seine Zeit; tanzen hat seine Zeit und klagen hat seine Zeit; bauen hat seine Zeit und abbrechen hat seine Zeit, pflanzen hat seine Zeit und ausreißen....
Alles ist erlaubt, aber alles verlangt auch nach einem Gleichgewicht.+
Wer dieses Gleichgewicht sucht, der wird es nicht beim selbstsüchtigen Genuss belassen. Er wird erkennen, dass alles, was er hat, letztlich Gabe Gottes ist. Darum wird er auch wieder ans Abgeben denken. So wie 40 Milliardäre in den USA, wenn sie erklären, dass sie die Hälfte ihres Besitzes spenden möchten. Oder so wie die Bürgerinnen und Bürger aus der deutschen Initiative: „Vermögende für eine Vermögensabgabe". Oder wie wir selbst es tun, wenn wir die Politik ermutigen, die Steuern einzunehmen, die sie für Bildung und sozialen Ausgleich braucht.
Der leuchtende September erinnert schon an Erntedank.
Da feiern wir die Gaben Gottes und üben hoffentlich auch das Teilen.
Pfarrerein Brigitte Fenner